Оазисы казахских степей

Am 6. August werden wir in Karaganda von der temperamentvollen, eloquenten Oksanaam Busbahnhof empfangen. Nach einer Stadtbesichtigung treffen wir auf zwei weitere Mitreisende, Brigitte aus Österreich und Marian aus Astana. Mittagessen in einem hübschen Gartenlokal, dann geht es über zunächst noch manierliche Straßen durch die Steppe. Unser Ziel heißt Schabanbey Bin. Halt machen wir unterwegs an einer Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und einem alten Mausoleum, das heute noch Pilger als Aufenthaltsort nutzen. Dann geht es ab in bergige Landschaft, auch die Straße wird holpriger, Schlaglöcher bescheren uns einen Platten, der von den Fahrern aber in Rekordzeit behoben wird —  und das trotz einbrechender Dunkelheit! Nach 22 Uhr kommen wir bei unseren Gastgebern an, werden mit Tee und leckeren Kleinigkeiten bewirtet und bekommen auf bunten Matratzen ein gemütliches Lager bereitet.

Am Samstag, dem 07. 08., genießen wir, vor dem Haus in der gleißenden Sonne sitzend, gemütliche Dorfatmosphäre: Rinder ziehen vorbei, die Henne mit ihren Küken ist geschäftig unterwegs, der Hofhund schläft dekorativ. Ein ausgiebiges Frühstück stärkt uns für unsere Fahrt durch die Steppe zu uralten Felszeichnungen, dann weiter durch Graslandschaft mit weidenden Pferden, weit entfernt sieht man sanfte Hügelketten. Zu Mittag genießen wir die landestypische Spezialität Beschbarmek, eine Art Eintopf mit Nudeln, Pferdefleisch und Gemüse. Man isst mit den Fingern, was uns anfänglich nicht ohne Kleckereien gelingt. Gegen Abend besichtigen wir dann Gräber aus der Bronzezeit. Man fühlt sich durch die im Abendlicht glänzenden Monolithen, die neben den Steinhügeln aufragen, ein wenig an Stonehenge erinnert. Zu Abend serviert uns die überaus freundliche Gastfamilie Plov und aus dem schier unerschöflichen Samowar gibt es Tee.

Der Sonntag eröffnet uns eine neue Welt: Eine Fahrt durch eine wildromantische Berglandschaft mit runden Felsen, blumenübersäten Wiesen, kleinen Bächlein! Wagemutig klettern wir in die Bärenhöhle, die früher ein Zufluchtsort für Frauen war, die sich ein Kind wünschten. Wie das dann funktionierte, wissen wir nicht, bei uns zeigte sich jedenfalls bis heute kein Erfolg. Auf dem Heimweg besucht der Gastgeber mit uns den muslimischen Friedhof seines Dorfes. Wir freuen uns schon auf unser üppiges Mittagsmahl , diesmal Borscht mit Sauerrahm. Nachmittags brechen wir auf in ein waldiges Tal. Eine kleine Wanderung führt uns zu einem malerischen Picknickplatz vor eindrucksvollen Felsterrassen. Hier lässt sich herrlich auf den mitgebrachten Teppichen lagern, strahlende Sonne, ein leichter Wind, absolute Ruhe, die Grashüpfer beobachten, die die übriggebliebenen Gurkenstücke fressen. Zurück in Schabanbey Bin besuchen wir eine ältere Frau, die uns in einer Jurte zeigt, wie man filzt. Wir werden Zeuge, wie sie ruhig und sehr versiert aus einem Strang Wolle mit Hilfe von Wasser und Seife ein hübsches Handy-Täschchen aus Filz herstellt. Brigitte, Marian und Oksana besuchen am Abend die Dorf-Banja und kommen ganz erhitzt, rotwangig und gutgelaunt wieder.

Am Montag, 09.08., heißt es Abschied nehmen von unserer reizenden Gastfamilie. Wir fahren durch eine wunderschöne Steppenlandschaft: grüne Hügel, so weit das Auge reicht, das endlose Band unserer «Straße» vor und hinter uns, nirgends Strommasten oder Gebäude, selten ein anderes Fahrzeug in unserer Nähe. Gegen Mittag erreichen wir Karkaraly, wo wir gleich eine Stadtbesichtigung vornehmen: eine Moschee ganz ungewöhnlich im russischen Kosakenstil, ein etwas skurriler «Platz des Sieges» mit Heldenallee und aufgestelltem Jagdbomber. Nach etlichen Tagen dörflicher Idylle erscheint uns das Hotel, in dem wir nahe bei Karkaraly einquartiert werden, etwas mietskasernenhaft. Es ist Teil einer Ferienanlage mit Seen, Hotelanlagen, einem Wäldchen mit Klettergarten, Spielplätzen und insgesamt touristischem Ambiente. Unser Favorit ist ein pompös ausgestatteter Speisesaal: grandiose Kristalllüster, krachbunte, riesige Wandgemälde, Stühle mit lila-goldenen Hussen. Nach dem recht ordentlichen Essen vergnügen wir uns bei Wein und flotter Discomusik in der Billardbar.

Dienstag, 10.08.: Nach dem Frühstück fahren wir in die Berge bei Karkaraly, wir wollen zum sagenumwobenen Teufels-See wandern. Das Wetter ist wechselhaft, zwischendurch regnet es. Der teilweise schweißtreibende Aufstieg durch einen fast bayerisch anmutenden Bergwald will kein Ende nehmen, der «teuflische» See ist auch nach zwei Stunden noch nicht in Sicht, so dass wir umkehren müssen, ohne ihn erreicht zu haben. Um rechtzeitig zum Essen in unsere Anlage zu kommen, müssen wir flott den Rückweg antreten, was aufgrund des nassen Weges nicht ohne «Ausrutscher» abgeht, die aber alle glimpflich verlaufen. Und wir schaffen es noch, ein Mittagessen zu ergattern, obwohl es schon nach 15 Uhr ist. Den Rest des Tages verbringen wir mit Lesen und Ausruhen.

Der Mittwoch präsentiert sich grau und kühl. Wir spazieren vom Hotel aus zum kleinen Naturkundemuseum, füttern die sehr aufgeweckten Wildschweine, bewundern die mächtigen Yaks und Bisons im weitläufigen Gehege. Am Nachmittag fahren wir in Richtung der Kent-Berge. Es geht durch ein Tal mit üppigen Blumenwiesen, wo wir die Ruinen eines buddhistischen Klosters anschauen. Ein zauberhafter Platz, besonders, wenn man sich mit einem gut funktionierenden Anti-Mücken-Mittel eingerieben hat. Zurück fahren wir an einer Hügelkette entlang durch Bilderbuchsteppe, vorbei an Reitern, die ihre Herden treiben, so stellt man sich Kasachstan vor!

Am Donnerstag, 12.08., nehmen wir alle voneinander Abschied. Am Busbahnhof von Karkaraly trennen sich unsere Wege. Marian, Brigitte und Oksana kehren nach Karaganda zurück, wir beide werden von den Fahrern nach Semej gebracht. Danke, Oksana, für die schönen und ereignisreichen Tage, die gute Organisation, die vielen interessanten Informationen, für gute Stimmung und viel Spaß!!!!